Ein Plädoyer für den Urlaub am Meer am Beispiel Kroatien

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Wäre es wie damals als Österreich noch am Meer lag, dann wäre dieser Artikel nicht notwendig. Wir sonnenhungrigen Alpenländler würden uns ins Auto setzen und ruckzuck gen Süden an die Küste der Adria. Es gäbe keine Reisebeschränkungen, kein Formular, das vor der Einreise nach Kroatien ausgefüllt werden müsste, keine Ausnahmegenehmigung für die Durchreise Sloweniens und vor allem keine negative Berichterstattung wegen Corona.

Trotzdem befinde ich mich nun schon seit 14 Tagen an der Küste Kroatiens nahe der Hafenstadt Zadar. Es ist herrlich - Sonnenschein von früh bis spät, Temperaturen um die 30 Grad Celsius - ideales Urlaubswetter. So wie jedes Jahr um diese Zeit. Wie sangen schon STS: "Du sitzt bei an Olivenbaum, und du spielst di mit an Stein, es is so anders als daham, ..." Herrlich es gibt viel Platz am Strand. Keine Sorge, dass Nachbars Lumpi pudelnass über mein Liegetuch zischt und sich das Wasser aus seinem Fell beutelt, dass ich die Badehose wechseln muss oder ich einen Kroatisch-Crashkurs in Sachen Kindererziehung meiner Nachbarn absolvieren, obwohl ich keine Kinder mithabe. Es gibt soviel Freiraum am Strand, dass sogar zwei Babyelefanten Platz hätten, nicht so wie im Kleinwalsertal.

So gesehen ist dieser Aufenthalt in einem unserer Lieblingsurlaubsländer ein wahrer Erholungsurlaub. Sensibilisiert von der derzeitigen Situation in Sachen Corona, schweift der Blick trotzdem täglich auf das Handy oder den Laptop um den aktuellen Stand an Neuinfektionen im Gastland aber auch in der Heimat stets im Blick zu halten. Zudem wird man auch von der Community zu Hause mit Informationen versorgt. Dort macht man sich Sorgen über die Explosion an Neuinfektionen wie es in den Medien kolportiert wird. Vergleicht man diese Meldungen mit der Lage vor Ort, fragt man sich schon wie so manche Überschrift zustande kommt. Steht da vielleicht eine dunkle Macht dahinter, die es nur darauf anlegt nicht nach Kroatien zu fahren? Es stimmt schon, dass die Anzahl an Neuinfektionen im Adria-Staat zuletzt stark angestiegen ist. Diese Hotspots befinden sich jedoch in der Hauptstadt Zagreb, in der zweitgrößten Stadt des Landes in Split beziehungsweise im Osten des Landes nahe der serbischen Grenze. An den Urlaubsorten selbst sind nur wenige Neuinfektionen pro Tag. Die Situation ist in etwa vergleichbar mit Österreich wo es die Cluster in Oberösterreich und in der Millionenmetropole Wien gibt. Kroatien hat vorsorglich reagiert und vor kurzem wieder die Maskenpflicht auf alle Gebäude und Geschäfte ausgedehnt. 

Natürlich braucht eine Tageszeitung eine auffallende Headline. Und nichts ist billiger als damit Kroatien als unsicheres Urlaubsland hinzustellen. Siehe Kronen Zeitung Bericht vom 14.7.2020. Hier wird suggeriert, das es in diesem Land zu soooovielen Covid19-Fällen kommt, es vom Außenministerium auf hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4) gesetzt wird, aber scheinbar niemand sich selbst ein Bild vor Ort machte. Mitunter bekommt man das Gefühl, dass es von obersten Stellen gefordert wird, negative Schlagzeilen über Kroatien zu verbreiten, damit die Österreicherinnen und Österreicher im eigenen Land Urlaub machen. Und ich spreche dabei von Urlaubern und nur von Urlaubern, die im Normalfall nicht mit den Großstädten des Landes in Berührung kommen. Sie wollen nur zum Meer, weil wir das in Österreich eben nicht haben. Zum Leidwesen des österreichischen Tourismus, der deswegen alljährlich im direkten Wettbewerb mit den Mittelmeerländern steht. Paradoxerweise haben selbst viele unserer heimatlichen Hoteliers von den Bergen und dem manchmal rauen Klima genug und verbringen ihren Sommerurlaub am Meer. Das können sie ja - kein Problem. Niemand verbietet dies, aber niemand soll uns Bürgerinnen und Bürger mit Horrormeldungen die Lust nehmen ans Meer zu fahren. Erst kürzlich hat ein Familienvater aufgrund solcher Beiträge seinen bereits gebuchten Urlaub auf der Insel Mali Losinj kurz vor Antritt storniert, obwohl es dort keinen einzigen Fall gibt. Wann also sollen wir die Möglichkeit nutzen wenn nicht jetzt im Sommer? Fernreisen in wärmere Gefilde werden im heurigen Winter eher zur Ausnahme zählen. In einem freien und vereinten Europa zählt die Reisefreiheit zu einem Grundrecht und jeder der ans Meer will, soll auch dorthin fahren können. Bei solch einer Berichterstattung werde ich den Eindruck nicht los, dass es sich um gewollte negative Meldungen von höchster Ebene handelt, um den Menschen in Österreich einen Urlaub im eigenen Land zu suggerieren. Natürlich spielen dabei auch wirtschaftliche Aspekte bei den Medien selbst mit. Keine Frage: Wer möchte schon die Kuh, die er melkt, schlachten.

Eines können Sie mir aber glauben liebe Leser: Hier in Kroatien sind die Schutzvorkehrungen mindestens genauso gut wie in Österreich. Es kommt sowieso auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an, um sich und sein Umfeld bestmöglich zu schützen. Daher ist es immer wichtig einen Artikel bis zum Ende zu lesen (siehe Foto oben), damit die ganze Wahrheit zu Tage kommt.
Mein Urlaub am Meer neigt sich jedenfalls bald dem Ende zu, dann sehne ich mich wieder nach Österreich, den Bergen, das Wandern, die Kultur und vieles mehr. Das ist kein Versprechen - das ist Normalität. Daher mein Appell an die Regierung und Interessenvertreter: "Verdirbt uns nicht die Lust auf Meer, Sonne und Strand. Sonst halte ich es wie STS: "Und irgendwann bleib i dann durt ..."