Urlaubsqualität statt Rabattschlacht

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Minus 25 Prozent auf die Nächtigung, Gutschein für einen nächsten Aufenthalt oder sogar das Verschenken der gesamten Nächtigungen an einem Wochenende: Bereits vor der Wiedereröffnung der Hotellerie wurde die Rabattschlacht eröffnet. Lassen sich dadurch mehr Gäste motivieren, wieder auf Urlaub zu fahren? Wir haben Tourismusforscher Peter Zellman, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung, und Gernot Deutsch, Geschäftsführer des Quellenhotel Heiltherme Bad Waltersdorf, befragt.

Herr Prof. Zellmann, lässt sich der Tourismus durch günstige Preise und Rabatte ankurbeln?

Peter Zellmann: „Die Rabattschlacht ist ein verständlicher Versuch, den Österreich-Urlaub wieder anzukurbeln. Grundsätzlich ist der Mensch schon empfänglich für Rabatte, bei einem Schaufensterbummel kann es zum Kauf verleiten, wenn ein Produkt 10 oder 15 Prozent billiger ist. Beim Urlaub schaut das aber deutlich anders aus.“

Was ist im Urlaub anders als im Alltag?

Peter Zellmann: „Zum einen funktioniert der Mensch im Alltag ganz anders als im Urlaub, das Urlaubsverhalten wird von vielen in manchen Zusammenhängen falsch eingeschätzt. Da wird die Rechnung oft ohne den Gast gemacht. Weiters ist Urlaub eine emotional sehr verdichtete Zeit, da ist der Mensch viel weniger zu Kompromissen bereit, als im Alltag, und will seine individuelle Erwartungshaltung erfüllt bekommen. Wenn das nicht der Fall ist, fährt er tendenziell gar nicht auf Urlaub – daran ändern 15 Prozent Rabatt auch nichts. Ich bin optimistisch, dass der Mensch bald wieder zu seinem gewohnten Urlaubsverhalten zurückkehrt, wenn die Reisebeschränkungen weiter gelockert werden. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Dass die Qualität bei Verbrauchern noch weiter in den Vordergrund rückt, bestätigt auch eine Nielsen-Studie zum Verbraucher-Verhalten in Corona-Zeiten: Marken und Produkte mit starken Qualitätsmerkmalen setzen sich besser am Markt durch – der Preis als Hebel werde daher weniger wirksam.“

Herr Deutsch, wie wird das Quellenhotel in Bad Waltersdorf der Wiedereröffnung am 29. Mai begegnen - ebenfalls mit Rabatten?

Gernot Deutsch: „Wir haben in der Vergangenheit nicht bei dieser Rabattschlacht mitgemacht und werden es auch jetzt nicht tun. Unsere Strategie war es schon immer, auf Qualität zu setzen und diese hat ihren Wert. Daran ändert sich auch in der aktuellen Situation nichts - Qualität ist eine harte Währung. Unser hoher Anteil an Stammgästen zeigt uns, dass die Gäste dies wertschätzen – auch in den letzten Wochen haben wir eine große Sehnsucht nach dem nächsten Urlaub bei uns bemerkt.“

Worauf bezieht sich Ihr Qualitätsanspruch? Was kann der Gast erwarten?

Gernot Deutsch: „Gerade jetzt ist es wichtig, sich auf seinen Kern zu besinnen und der war bei uns immer ein Maximum an Qualität auf allen Ebenen, egal ob bei den regionalen Lebensmitteln, dem wirkungsvollen Thermalwasser in allen Becken oder dem Angebot darüber hinaus. Und ganz wichtig: die Gastfreundschaft und Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es freut mich sehr, dass gerade in den letzten Wochen unser ganzes Team an einem Strang gezogen- und viele Möglichkeiten gefunden hat, wie wir dem Gast unter Einhaltung aller Vorgaben trotzdem ein schönes Urlaubsgefühl bieten können."
In diesem Jahr ist Urlaub ein besonders kostbares Gut, das wir alle sehr wertschätzen. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Gäste hat für uns oberste Priorität, weshalb die Einhaltung der Schutz- und Hygienemaßnahmen für uns selbstverständlich ist. Mit unserem 14 Hektar großen Areal bieten wir eine Vielzahl an Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten. Und natürlich haben wir vorgesorgt, dass die Abstandsregeln auch beim Baden, Saunieren und Essen eingehalten werden können. Keineswegs Abstand nehmen wir aber von unserer Gastfreundschaft. Wir sind mit Leib und Seele Gastgeber – das spürt man. Dieser hohen Urlaubsqualität tut auch die Maske keinen Abbruch.“

Qualität im Urlaub – was heißt das eigentlich?

Peter Zellmann: „Ich gehe nicht davon aus, dass sich das grundsätzliche Qualitäts- und Wertverständnis der Menschen durch die Krise verändert. In vielen Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass der Mensch auch unter dem Eindruck großer Emotionalität seine Wertvorstellungen langfristig nicht deutlich verändert. Vielleicht ändert sich die ein oder andere Verhaltensweise im Alltag, aber die Grundeinstellungen bleiben meist gleich.“