Wohin reisen wir nach Corona?

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Corona hat die Welt verändert. Derzeit steht sie still - das ist gut so. Corona zwingt uns innezuhalten, unser Leben völlig umzukrempeln. Nur so können wir die Verbreitung dieses Virus eindämmen. Aber was passiert nun mit unseren Reisegewohnheiten? ChfR. Helmut Zauner wagt einen Blick in die Glaskugel!

Reisen ist derzeit nur virtuell möglich. Die Skigebiete haben längst geschlossen. Wie man jetzt sieht, war dies eine richtige und wichtige Entscheidung, auch wenn so mancher Touristiker dies damals nicht wahrhaben wollte. Die Parkplätze für Flugzeuge auf den Flughäfen sind völlig ausgelastet, Kreuzfahrtschiffe schaukeln in ihren Heimathäfen mehr oder weniger vor sich hin und warten ebenso gespannt auf das was kommen wird. Alle Grenzen sind dicht - die Letzten versuchen verzweifelt in ihre Heimat zu gelangen und werden dabei von einigen nicht krisenfesten, selbstherrlichen, scheinbar immer im Wahlkampf stehenden Regierungen an der Durchreise gehindert. Die Reisebranche hat - wie viele andere auch - ihre Arbeit eingestellt. Zunächst bis Ostern, normalerweise die erste starke Reisezeit nach der Wintersaison. Blickt man nach China, wo sich die Situation sehr langsam entspannt, beginnt nun zaghaft das öffentliche Leben - nach drei Monaten. Da ist von Reisen noch lange keine Rede. So, schätze ich, wird es auch bei uns sein. Stellen wir uns also vorsichtig darauf ein, dass wir im Juli erstmals wegfahren können.

Aber wie wird sich das Reisen nach Corona entwickeln?
Die globale Welt wird sich sehr stark reduzieren und mit ihr auch die Inflation an Urlaubsreisen. Viele internationale Reiseveranstalter werden - zumindest in diesem Jahr - ihre Angebote reduzieren müssen, da die Nachfrage erheblich sinken wird. Ob alle geplanten oder derzeit in Bau befindlichen Hotels fertig gebaut werden, steht auf einem anderen Stern. Geschweige, ob sie überhaupt gefüllt werden und damit rentabel sein können.
Ich bin überzeugt, dass sich Ortsveränderungen innnerhalb der Landesgrenzen bewegen werden. Vorausgesetzt die Menschen sind in ihren Unternehmen abkömmlich und haben auch noch Urlaub. Für viele wird ein verlängertes Wochenende das höchste der Gefühle werden. Abgesehen davon, ob man sich einen Urlaub leisten kann oder will.
Frau und Herr Österreicher werden vermehrt in unserem schönen Land (und Südtirol) bleiben oder höchstens mit dem Auto an die Adria fahren. Kroatien wird sicher davon profitieren, Italien halte ich heuer für sehr problematisch, an Sloweniens kurzem Küstenabschnitt wird für alle nicht genug Platz sein. Alle anderen Meere sind uns Alpenländler sowieso zu weit weg und ohne Flugzeug nahezu unerreichbar, zumindest für jene die ihren Teil zum Bruttosozialprodukt beitragen müssen. Die übrigen, sehr beliebten europäischen Reiseziele: Spanien und Großbritannien sind Corona-Hochburgen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Polen eventuell, die Skandinavier schicken uns wahrscheinlich mit dem Virus wieder heim, den sie sich in Ischgl, St. Anton, Flachau oder sonst wo geholt haben. Fernreisen werden - in Anbetracht der Probleme in Krisenzeiten - sicher zurückgehen. Überhaupt wird lt. Trendforscher Tristan Horx das Auto wieder ein Comeback feiern. Gerade in Krisenzeiten bildet das eigene Vehicle eine Form von Sicherheit und Flexibilität. Zuletzt erlebt beim Ausbruch des Balkankrieges in den 90-igern des letzten Jahrhunderts. Oder wie früher, als ich mit meinen Eltern und einem VW-Käfer nach Umag in Istrien unterwegs war. Good old times, anno 1970!

Bietet Corona neue Chancen?
Für Österreich bedeutet dies, dass zwar nicht mehr so viele Urlauber aus Übersee (China, USA, etc.) kommen werden, aber das Manko mit Inländern und Europäern wett gemacht werden kann. Auch wenn vielleicht die Gewinne nicht mehr die sein werden wie vorher, aber wie heißt es so schön: weniger ist ja mehr!
Ebenso wird sich unser Berufsleben in vielen Bereichen ändern: Jetzige Home-Offices werden bleiben, flexiblere Arbeitszeitmodelle entstehen, neue Freizeit- sprich Urlaubsmöglichkeiten ergeben sich. Brauchen nur noch die Schulen mitziehen - Stichwort: flexibler Lehr- und Stundenplan. Das würde neue gestaffelte Buchungs- und Anreisezeiten ergeben. Damit wären Staus auf den Autobahnen, Grenzen, Flughäfen und in den Urlaubsorten obsolet. Die Umwelt würde davon ebenso profitieren wie die stressgeplagten Bewohner.
Corona hält uns derzeit fest im Griff. Wenn wir uns aber jetzt zusammenreißen und alle Vorgaben einhalten, dann können wir in absehbarer Zeit wieder ein normales Leben führen und uns wieder auf Reisen begeben, meint

Helmut Zauner