Inneralpine Anglizismen

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Sprechen Sie niemanden an, nur weil sie glauben, dass er es ist. Sie werden ihn doch nicht erkennen. Unser geheimnisvoller Mr. Who treibt sich in der Hotellerie und Gastronomie herum, schnüffelt diskret zwischen Lobby- und Sky-Bar herum, ermittelt verdeckt aus der Besenkammer heraus, spürt jedes noch so unbekannte Detail auf und bringt es pointiert und nicht immer ernst gemeint zu Papier.

Wir leben in der Zeit der Globalisierung. So weit – so mittelmäßig. Was manchmal- etwa im Internetz (!) – ganz nützlich erscheint, ist die einheitliche Sprache, eventuell die englische, meinetwegen auch die chinesische, weil die eh schon bald wichtiger wird.

Aber der Vereinheitlichung Riegeln vorzuschieben erscheint mir als Gebot der Stunde. ICH will einst nicht einen Planeten, auf dem man gar nicht herumreisen braucht, weil eh alles gleich ist – vom unsäglichen, billig architektonischen Einkaufszentrum am Stadtrand, das dutzende Kleingewerbetreibende umgebracht hat, bis zu Mc‘s-schwammigen Fleischlaberlsemmeln vom Ural bis Feuerland.

Die Leut` kommen zu uns weil´s nicht aussieht wie in Castrop-Rauxel oder Birmingham, sondern anders als dort und das betrifft auch Infrastrukturen. Selbst in entlegenen Orten kann man sich vor lauter Pubs und Shops kaum retten. 

“Höma Maia“

ICH glaube, dass der Anteil jener Gäste, die überhaupt keine relevanten Vokabel in deutscher Sprache verstehen, nicht nennenswert ist. Sollten das aber ein paar Leute nicht verstehen, dann haben sie es gefälligst zu lernen. Das gilt auch für russische und andere östliche, fernöstliche Gäste, die gern als Argument fürs Englisch angeführt werden. So gut wie alle haben ohnehin ein Handy, welches auch die blödesten deutschen Ausdrücke übersetzt. Außerdem erwiesen sich Japaner etwa als sehr aufnahmefähig, indem sie seinerzeit in Kürze selbst den Namen unseres Herminators verinnerlicht hatten – „Höma Maia“.

Ich weiß auch was „Bor“ und „Sör“ in Ungarn, sowie „Pivo“ und „Vino“ in Kroatien bedeutet. Bestellen Sie einmal in Paris in deutscher Sprache! Oder sehr häufig auch in Baratislava, 50 Kilometer von Wien entfernt, wo viele eine Großmutter hatten, die in Wien Köchin gewesen ist und wohl auch öfters über „Kneddl“ und „Schweinsbraten“ gesprochen hat.

Von Flying Hirsch bis Flirtline

Skiorte etwa überschlagen sich teilweise vor sprachlichen Anbiederungen. Warum muss ich das Alles in Englisch lesen, etwa nur, weil ein paar Rennläufer oder Skilehrer mal einen Winter in Aspen gearbeitet oder ein paar Werbejungs und -mädels einen zweiwöchigen Kurs in flapsigem Business-Englisch gemacht haben?

Was soll ich mir etwa unter “flying hirsch revival“ vorstellen? Hirsch – ja, aber das Andere?? “Bubble“, “Sixpack“, “Halfpipe“ kenn ich auch nur unter ganz anderem Zusammenhang. “Sunny Kids Party“ ist eine Veranstaltung für – wen? Witterungsbezogen oder nur für “Wonnepropen“? “Best connection“? Wie - ein Skiort, wird sich jemand aus London eventuell fragen? “Action hill“, “top quality skiing“ heißt´s da, als ob es sich um ein Inserat in der „Times“ handelte und was bitte, in Gottesnamen, ist “free ski big air“? 

“Firn and Fun“, “Ladies Ski Woche“ und “Hitwochen“ dagegen sind unausgegorene Mischformen, “Fassdauben race“ schlägt dem Barrel überhaupt den Boden aus, Ausdrücke wie “Rip the Sky“ und “Tubing“ “Hits for Kids“, “X-Perience Days“ und deren Übersetzung ins Deutsche überfordern zum Teil unser Schulenglisch und benachteiligen dadurch uns Einheimische, die auch wissen wollen was vorgeht. 

Fragen sie einmal den alten Nigelhofer – einen etwas entfernteren Nachbarn vom Hermann Maier in Flachau – ob er sich unter “Top of the Mountains concert“ oder “Flirtline im Snowspace“ was vorstellen kann. “A wenig Hoagaschtln“ würde ich für letzteres, nicht ganz korrekt übersetzt, im regionalen alpinen Code vorschlagen. “Sliding over the ice“  offerierte nicht etwa ein Loch in Norden Schottlands, sondern eine biedere Salzburger Gemeinde.

Highlight oder Orgasmus

Ich selbst bin schon leicht overanglisiert weil ich nachdenken muss, wie ich „Highlight“ exakt übersetze. Orgasmus ist mit nicht präzise genug. Zum Teufel noch mal: Wer hat`s denn erfunden – das Alpinskifahren (mit allem drumherum)? Wir – oder etwa die Engländer beziehungsweise die Amerikaner? Schon titelt Newsweek besorgt „Who owns Englisch? Non native speakers are transforming our language“. Und daran seid auch ihr mitschuldig!

Positives am Schluss: „Pisten und Thermen – zum Schwärmen“ heißt`s zum Beispiel in Gastein (obwohl – alle brauchen das auch wieder nicht nachzumachen).

PS: Natürlich wurden nur Originalzitate verwendet!