Wir sind optimistisch

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Walter Veit, der neue Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) präzisierte anlässlich seines Amtsantritts die aktuellen Probleme in der österreichischen Hotellerie. Trotz Pandemie und Wirtschaftskrise blickt er optimistisch auf seine dreijährige Legislaturperiode.

Der 63-jährige Walter Veit trat am 17. Jänner 2022 die Nachfolge der neun Jahre lang amtierenden Präsidenten Michaela Reitterer an. In Zeiten wie diesen müsste diese Funktion für den Salzburger Hotelier in Pandemiezeiten wie reiner Masochismus anmuten. Doch gerade in dieser Situation hat für den Inhaber des Vier-Sterne-Superior Hotels & Zirbenspa Enzian sowie der Mankei Alm in Obertauern die Bewältigung von Pandemie und Wirtschaftskrise oberste Priorität. Der viele Milliarden Euro schwere wirtschaftliche Schaden durch die Krise konzentriert sich nämlich stark auf den Tourismus. „Wir sehen die Bemühungen der Politik. Ohne Entschädigungen gäbe es die Hotellerie heute wohl nicht mehr. Doch vieles bleibt auf der Strecke, dauert extrem lang, ist praxisfremd und überkomplex“, so Veit. Das beginnt bei den Verordnungen und geht bis hin zur Abwicklung von Entschädigungen. „Kommt die Liquidität erst in den Unternehmen an, wenn der Antragsteller in Konkurs geht, ist es zu spät“, fordert er von der Politik mehr Abstimmung mit der Praxis. Das würde die Prozesse beschleunigen, den Aufwand verringern."

Auslastung im Sinkflug und schwarze Schafe eliminieren
Eine aktuelle ÖHV-Branchenbefragung mit 672 Teilnehmer:innen bringt ernüchternde Ergebnisse: 4 Prozent der Hotels sind coronabedingt schon geschlossen, weitere 11 Prozent fassen die Schließung ins Auge. Die Jänner-Auslastung ist von 72 Prozent vor Corona auf 34 Prozent gefallen: zu niedrig, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die Buchungen für die kommenden Monate – in Normaljahren Hochsaison – sehen aktuell nur eine Spur besser aus: 47 statt 81 Prozent im Februar, 43 statt 73 Prozent im März. Ob noch Buchungen oder Stornos folgen, hängt vor allem von der Entwicklung der Infektionszahlen ab und von anderern Länder, die Österreich oder Teile davon als Hochrisikogebiet einstufen - siehe Deutschland. So müssen nicht geimpfte Kinder nach der Rückreise aus Österreich in eine fünftägige Quarantäne. Welche Familie hat dann noch Lust auf Winterurlaub in unserem Land. Darüber hinaus sorgt auch das eine oder andere schwarze Schaf im Tourismus mit negativen Schlagzeilen, wie eben in Kitzbühel passiert. Trotz Verbot und mehrmaligen Anzeigen innerhalb weniger Wochen durch einen benachbarten Hotelier, wurden in einem Lokal Aprés-Ski-Exzesse gefeiert und nicht geahndet. Kein Wunder, dass nun die Inzidenzzahl in der Gamsstadt jenseits der 3.000 liegt und eine europaweite Verbreitung des Virus durch deren internationalem Publikum erfolgte. Für den ÖHV natürlich ein absolutes No-Go!

Mitarbeiter dringend gesucht, Weiterbildung ausbauen
Alleine im Bundesland Salzburg kehrten seit Beginn der Pandemie 30 Prozent der Tourismusbeschäftigten der Branche den Rücken. Dieser Wert ist durchaus auf ganz Österreich anwendbar. Zu Beginn der Pandemie wurden viele Mitarbeiter gekündigt und wechselten großteils in andere Branchen, fanden dort Vollzeit-Jobs oder mussten in ihre Heimatländer zurückkehren und fanden dort einen Arbeitsplatz.

So konnten diesem Winter laut ÖHV-Branchenbefragung 15 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt werden, dazu kommen Corona- bzw. Quarantäne-bedingte Ausfälle in der Größenordnung von 7 Prozent. 38 Prozent der Hotels mussten ihr Angebot reduzieren: „Geschieht da nicht bald etwas, wird das irgendwann auch für den Finanzminister unschön, wenn nach den Nächtigungen und Preisen auch die Steuereinnahmen sinken.“ Als weitere Schwerpunkte für die ÖHV-Arbeit in den kommenden Jahren nannte Veit Nachhaltigkeit und Digitalisierung: „Wir tragen das über den ÖHV-CAMPUS in die Branche. Das Interesse ist enorm und steigt stetig. Da sind wir auf einem guten Weg, den führen wir fort“, freut sich Veit über das Interesse der Kolleg:innen an diesen zentralen Zukunftsthemen.

Hier will Veit das Hauptaugenmerk auf seine Amtszeit werfen: „Wir werden aufzeigen, was die Branche alles bietet, und überall besser werden: in der Lehre, in den Tourismusschulen, bei den Unterkünften, bei der Arbeitszeit, bei den Gehältern. Gemeinsam mit Politik, Schulen und Gewerkschaft. Wir gehen auf alle zu. Das Branchenbashing muss aufhören. Denn fehlen Mitarbeiter:innen überall, nicht nur bei uns: Techniker:innen, deren Bezahlung man uns als Benchmark für Hilfskräfte hinknallt, akademisch ausgebildete Apotheker:innen, Lehrer:innen mit komplett anderen Arbeitszeiten als jenen, die man uns vorhält, wechseln die Branche.“ Konkret will Veit merkliche Verbesserungen bei Praktika und das Ende des unbefristeten Feststellungsbescheids durchsetzen: „Die schwarzen Schafe müssen weg.“ Gemeinsam mit Vertretern anderer Sparten will er sich für eine merkliche Senkung der Lohnnebenkosten einsetzen: „Da erwarte ich und mit mir viele, viele Arbeitgeber:innen von Regierung und Wirtschaftskammer mehr als Sonntagsreden. Wir brauchen handfeste Ergebnisse. Ein bisschen Bewegung bei den Nachkommastellen ist zu wenig.“

Das Kriseninterventionsteam der österreichischen Hotellerie
Der neugewählte ÖHV-Präsident tritt mit einem Team aus erfahrenen Hoteliers und Branchenvertreter:innen an. Als Vizepräsident:innen unterstützen ihn Heike Ladurner-Strolz (Hotel Zimba, Schruns), Sophie Schick (Boutique-Hotel Hauser, Wels), Klaus Hofmann (St. Martins Therme & Lodge, Frauenkirchen) und Alexander Ipp (IPP Hotels, Wien), dazu die Landesvorsitzenden Barbara Winkler (Kaiserlodge, Scheffau), Gernot Deutsch (Heiltherme Bad Waltersdorf), Hubert Koller (KOLLERs, Seeboden) und Hannes Scheiblauer (RelaxResort Kothmühle, Neuhofen a.d. Ybbs). Finanzreferent Manfred Furtner (Wiesenhof, Pertisau) komplettiert das Team. Das ÖHV-Büro in Wien führt weiter Generalsekretär Dr. Markus Gratzer.

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