Warum muss Design unbequem sein?

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Unser Mr. Who kommt sehr viel in der Welt herum und hat alle Arten von Hotels schon erlebt. Vielleicht liegt es eben daran, dass er sich nicht in jedem Hotel wohlfühlt. Besonders so manches Lifestyle- und Designhotel hat seine Schmerzgrenze punkto Komfort und Sinnhaftigkeit ordentlich strapaziert.

Mr. Who: "Das mit den Designhotels ist natürlich so eine Sache. Zwar schön fürs Auge, aber wie steht es mit dem Rest des Körpers? “Lehnen Sie sich zurück und machen Sie es sich bequem,“ stand einmal auf einer Begrüßungskarte, in einer dem Zeitgeist entsprechenden “Absteige“. Vor mir befand sich ein brettlharter Designerstuhl, dessen Lehne keinen Millimeter nachgab und in der Mitte des Rückens endete. Die Lendenwirbel dankten es mir mit höllischen Schmerzen. Um ihnen wieder Gutes zu tun, versuchte ich mich auf dem Bett gemütlich auszustrecken. Eine alpine Meisterleistung handelte es sich doch um ein sogenanntes Boxspringbett. Eigentlich war ich der Meinung, nach der Pubertät mein Stockbett endgültig gegen ein normales Bett getauscht zu haben. Doch nun darf ich im fortgeschrittenen Alter wieder auf “höherem Niveau “liegen und gar schlafen? Vom Schlafen war anfangs keine Rede, war doch die Angst, in die unendlichen Tiefen des Designerzimmers zu fallen, viel zu groß. Das setzte sich frühmorgens beim Verlassen des Bettes unverzüglich fort: Zwischen meinen Füßen und den Boden war stets ein beträchtlicher Abstand, der mich nach dem ultimativen Fallschirm oder zumindest einer Leiter mit Sicherheitsgurt suchen ließ - jedoch ohne Erfolg. 

Nix für Sehschwache

Was ich nicht verstehe ist, warum so viele Architekten und Raumdesigner bei der Farbgestaltung der Zimmer so einfältig sind. Sind sie etwa depressiv? Die Beliebtheitsskala dürften - subjektiv gesehen - schwarz und bordeauxrot anführen. In Kombination mit designten Lampenschirmen eine wirklich unterbelichtete Angelegenheit. Okay, die Lichtverhältnisse in vielen Hotelzimmer sind mangels Lichtquellen schon immer begrenzt gewesen, aber hatte man zumindest weiße Wände vorgefunden, die Kunst- und Tageslicht reflektierten. Welch Wohltat für die Augen. Aber bei Wänden, die oftmals nur aus gefühlskaltem Sichtbeton bestehen und schwarz bemalt sind, könnte man sich die Investitionen in Lampen sparen. Da wäre es besser, beim Einchecken an der Rezeption, jedem Gast eine Stirnlampe zu verpassen.

Splish-splash im Hotelzimmer

Besonders witzig finde ich jene Hotelzimmer/-suiten mit der Designer-Badewanne mitten im Wohnzimmer. Okay, ich muss mich nicht um den nassen Fußboden kümmern, der naturgemäß beim Entsteigen derselbigen entsteht, und Verliebte können dem ganzen sicher ein romantisches Ambiente abgewinnen. Aber stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben zwei Kleinkinder die in der Wanne herumtoben und die Suite unter Wasser setzen. Dafür möchte ich nicht verantwortlich sein. In einem Badezimmer sind dafür technische Vorkehrungen getroffen worden - im Wohnzimmer auch?

Your Partner is watching you

Wie weit entfernt ein Innenarchitekt von der Realität sein kann, erlebte ich in einem südländischen Hotel. Von außen sah das Haus äußerst beeindruckend aus. Auch die öffentlichen Bereiche waren durchaus ansprechend. Das Zimmer hatte eine akzeptable Größe, was ja bei anderen Hotels nicht immer der Fall ist. Besonders beeindruckend war auch die Fläche des Nassraums. Jedoch gab es ein Problem: Die Wand zwischen Bad und dem Rest des Zimmers war in den oberen zwei Drittel eine Glaswand nur mit schmalen Holzlatten als Sichtschutz. An und für sich keine Ursache,wäre ein zusätzlicher Vorhang vorhanden gewesen. Nachdem ich das Zimmer mit meiner Frau geteilt hatte, sollte das auch keine größeren Auswirkungen auf uns verursachen. Schließlich kennt man sich ja nach der gefühlten halben Ewigkeit des Zusammenlebens gut genug und wir haben uns ja des Öfteren schon im Adamskostüm begegnet. Doch es gab eine Herausforderung, die für uns grenzwertig war: der Akt des finalen Stoffwechsels. Stört es Sie eigentlich, wenn Sie beim Stuhlgang Zuseher haben? Mich schon, denn ich bin der Meinung, dass es auch innerhalb einer Partnerschaft gewisse Grenzen des Geschmacks gibt, die man nicht übertreten sollte und Stuhlgang ist eindeutig eines der Dinge, die man lieber für sich behält zumindest mehr oder weniger. 

Wenn nun einer von uns das Klo benutzte, hatte der andere auf den Balkon zu gehen oder  - bei Schlechtwetter - fernzusehen. Natürlich in das TV-Gerät. Trotzdem ein ungutes Gefühl, dass sich auf den gesamten Stoffwechsel während des Aufenthalts auswirkte - nicht nur auf mich. Seit dem lieben wir Hotels mit WCs die vom Badezimmer getrennt sind. Übrigens - wenn Sie das vor Ihnen liegende Heft genau durchsehen, werden Sie ein Zimmer entdecken, in dessen Mitte sich eine durchsichtige Nasszelle befindet. 

Ich meine, wer menschenfreundliche Hotels im modernen Stil bauen will, sollte nicht immer alles neu denken. Natürlich kann man sich auch in Häusern mit schönem und modernem Design wohlfühlen. Aber wirklich zu Hause ist man dort erstW, wenn die Einrichtung auch zweckmäßig und komfortabel ist. Das wäre mein Anspruch auf einen perfekten Urlaub."