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Lutherstadt Eisenach - wo deutsche Geschichte geschrieben wurde

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Für Eisenach sollte man sich eigentlich mehr als 24 Stunden Zeit nehmen. Denn die Stadt bietet so viele kulturelle Schätze, die man - abgesehen von der Wartburg - gar nicht vermutet. Na gut, für jemanden, der sich mit der deutschen Geschichte eingehend befasst hat, ist nicht alles neu. Geschichtsunkundige - wie unser ChfR. Helmut Zauner - können hier viel Interessantes über Deutschlands Historie erfahren und entdecken.

Ist das Zeitfenster kurz vertraut man sich am besten einer Stadtführung an. In einem ca. zweistündigen Rundgang durch das historische Zentrum erfährt man das Allerwichtigste zur Stadt und seiner Vergangenheit. Ebenso lang dauert die Führung durch das Welterbe "Wartburg". Beide sind absolut empfehlenswert: informativ und launig vorgetragen.

UNESCO Welterbe Wartburg
Seit fast einem Jahrtausend thront sie auf einem Felsen über der Stadt. Betritt der Besucher die Burganlage, öffnet sich ihm ein fast 900-jähriges Geschichtsbuch: die höfische Kunst des Mittelalters, das Leben und Wirken der heiligen Elisabeth, Martin Luthers Übersetzungen des Neuen Testaments, das Fest der deutschen Burschenschafter und Richard Wagners romantische Oper " Tannhäuser". Und wer stimmungsvolle Weihnachtsmärkte liebt, kommt an den Adventwochenenden bestimmt auf seine Kosten.

Tipp: Am besten fährt man mit dem Auto zur Burg hoch (kostenpflichtiger Parkplatz). Der steile Fußmarsch vom Stadtzentrum bis zur Burg dauert doch eine knappe Stunde. Alternativ dazu Anreise mit dem Bus: Vom Eisenach Hbf mit dem Bus 1 bis Markt, dann ca. 25 Minuten Fußweg oder Rufbus RFB 10 direkt zur Wartburg. Achtung! Rufbus-Ameldung bis 45 min vor Fahrtbeginn unter Tel. 03691-228822. Personen mit weniger als 60 Kilogramm können sich von der Eselstation am Ende des Luther-Erlebnisweges (PKW-Parkplatz) von den Tragtieren zur Burg bringen lassen. Ein besonderes Erlebnis für Kinder.

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Historischer Stadtrundgang
Nach der Burgbesichtigung bietet sich ein Stadtrundgang an. Beginnend am Markt (gleich hinter dem Nikolaitor und der Nikolaikirche) wo - natürlich - Martin Luthers Denkmal residiert, biegt man hinter dem Hotel Thüringer Hof (Bericht: Moderner Komfort hinter historischer Fassade) in die Karlstrasse ein. An deren Ende befindet sich die Ratsapotheke, die älteste immer noch in Betrieb befindliche Apotheke Eisenachs. Gleich dahinter am Markt steht das Stadtschloss. Es war Residenz der Herzöge von Sachsen-Eisenach und später eine Residenz der Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach. Heute sind dort Büroräume der Stadtverwaltung (Kulturamt), das Stadtarchiv Eisenach und seit 1931 das Thüringer Museum untergebracht.

           

Gegenüber der Ratsapotheke steht das Rathaus. Hier wurden früher unter anderem Bäcker an den Pranger gestellt, deren Brot nicht den an der Rathausmauer angebrachten Längenmaß entsprachen. Dabei durfte das Brot weder größer oder kleiner und nicht billiger beziehungsweise teurer sein. In der Mitte des Platzes thront die Georgenkirche. Sie ist die Stadt- und Hauptkirche von Eisenach. Hier predigte Martin Luther in der Zeit der Reformation, wodurch sie zu einem der ältesten protestantischen Gotteshäuser überhaupt wurde. Johann Sebastian Bach wurde in ihr getauft. Sie diente zeitweilig als Hofkirche und war bis zur Fusion der evangelischen Kirchenprovinzen Sachsens und Thüringens zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschlands am 1. Januar 2009 die Bischofskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringens. Der Marktbrunnen (Georgsbrunnen) befindet sich seit 1549 mit wechselndem Standort auf dem Platz. Als vergoldeter Drachentöter thront St. Georg, der Schutzpatron der Stadt, über dem achteckigen Becken.

           

Lutherstadt Eisenach
Vom Markt sind es nur ein paar Schritte zur Predigerkirche. Die im 13. Jahrhundert errichtete Kirche bietet eine bedeutende Sammlung mittelalterlichen Sakralkunst. Im dazugehörigen Kloster absolvierte Martin Luther seine Schulausbildung. Eisenach ist eine der sogenannten Lutherstädte. Im heutigen Lutherhaus soll er 1498 bis 1501 als Lateinschüler gewohnt haben. Das einstige Wohnhaus ist nun ein Museum, in dem eine spannende, mehrfach preisgekrönte Dauerausstellung beheimatet ist. Hier erfährt man alles über seine welthistorische Bibelübersetzung, entdeckt einzigartige Kunstschätze, Werke von Cranach, den Taufeintrag von Johann Sebastian Bach. In einem der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser Thüringens lassen sich unter anderem der "Unterricht zu Luthers Zeiten" erleben wie auch die Kunst mit Tusche und Feder Luthers Lieblingsschrift erlernen. Danach kann man sich in die Geheimnisse der "schwarzen Kunst" an einer Gutenberg-Druckerpresse einweihen.

           

Das Bachhaus
Ein weiterer berühmter Sohn Eisenachs ist Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). In Eisenach erinnert man sich an ihn mit einem riesigen Bachmuseum. Es zeigt Musikinstrumente, Dokumente, Autografe und den berühmten Bach-Pokal. Ein Highlight findet stündlich statt: Ein kleines Live-Konzert auf historischen Tasteninstrumenten. Zu den fünf vorgeführten Instrumenten zählen das älteste erhaltene Thüringer Orgelpositiv von 1650, ein Spinett aus 1765 und ein Clavichord um 1770. Letzteres zählte zu den Lieblingsinstrumenten von Bach.

           

Weitere Sehenswürdigkeiten
Eisenach bietet aber auch neuzeitliche Sehenswürdigkeiten. Wussten Sie, das die Lutherstadt eine pulsierende Autobauer statt war und ist? Seit über 120 Jahren werden in Eisenach Autos gebaut: Wartburg, Dixi, Opel oder BMW. Die "automobile welt eisenach" zeigt eine beeindruckende Ausstellung über historische Fahrzeuge, Karosserie-Studien, Prototypen und Konstruktionsplänen. Highlight sind ein AWE-Rennwagen aus 1955 und eine authentische Dixi-Werkstatt aus den 1920er Jahren. www.awe-stiftung.de

Sehenswert sind auch die Gründerzeitvillen wie etwa die Reuter-Villa und das Teezimmer im Kartausgarten. Wer Zeit hat, macht eine kleine Wanderung zum Burschenschafterdenkmal. Das 1902 eingeweihte und 33 Meter hohe Denkmal gegenüber der Wartburg, ist jenen Personen gewidmet, die im 19. Jahrhundert für Einheit und Freiheit sowie demokratische Grundrechte in Deutschland eingetreten sind. Für die zahlreichen Museen, Ausflugsziele in der Stadt selbst und in der Umgebung sollte man sich aber länger Zeit nehmen als 24 Stunden.

           

Mehr konnte der Autor dieser Zeilen leider nicht besuchen, da er abends zu einem Grillfest eingeladen war, wo unter anderem auch eine Spezialität der region kredenzt wurde: die Thüringer Bratwurst. Diese sollte sich der Eisenach-Besucher auf keinen Fall entgehen lassen.


www.eisenach.info



Fotos: © H.Zauner

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