Vom Duoro verzaubert

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Kreuzfahrtveranstalter haben es in Corona-Zeiten nicht leicht. Zu groß ist die Gefahr, dass Passagiere und Crew sich anstecken. Dass es mit entsprechenden hygienischen Maßnahmen trotzdem funktionieren kann, beweist Nicko Cruises auf der Flußkreuzfahrt am Rio Duoro, der durch Spanien und Portugal fließt. Ein unvergessliches Erlebnis – trotz Corona.

Die Reise war schon lange geplant. Würde sie überhaupt stattfinden zu Corona Zeiten? Und wie sind die Auflagen? Wie sicher kann man sich fühlen? Ich denke an meine erlebnisreiche Flusskreuzfahrt ein Jahr vorher, auf der Rhone und Soane, bei der die hygienischen Bedingungen an Bord einmalig waren. Schon bevor Covid 19 im Spiel war. Eine Woche vor Abreise war ich mir sicher, ich fahre mit. Die Anreise per Flugzeug habe ich diesmal über Nicko Cruises gebucht, Transfer zum Schiff inklusive.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Am Flughafen in Porto waren die Sicherheits-Maßnahmen enorm. Die Maskenpflicht im Gebäude wurde streng überprüft, obwohl Anfang Juli kaum Touristen unterwegs waren. Bevor wir aufs Schiff durften wurden wir „besprüht“, Fieber gemessen und ein Corona-Bluttest musste negativ sein. Wir wurden einzeln von einem Arzt auf einem Zwischenschiff getestet und warteten auf das Ergebnis in Einzelkabinen.

Alles ok bei mir, ich darf meine Kabine beziehen. Nicko Cruises bietet einen extrem hohen Standard an Sicherheits-Ma.nahmen. Ich fühle mich gut aufgehoben. Als ich erfahre, dass statt 120 Passagieren nur 50 an Bord sein werden, fühle ich mich wie in Abrahams Schoß. Unser Schiff, der MS Duoro Cruiser, „parkt“ wie alle anderen Flussschiffe (im Moment fahren nur zwei!) in Vila Nova de Gaia, am anderen Ufer mit grandiosem Blick auf die bezaubernde Silhouette von Porto.

Das Abenteuer beginnt

Alle Mitreisenden sind inzwischen an Bord. Meine Kabine am Oberdeck, sehr gemütlich mit einem kleinen Balkon, bietet einen grandiosen Blick auf die bunten Häuser an der Uferpromenade, weiter rechts die Brücke Dom Luis I., die Vila Nova Gaia mit der historischen Altstadt verbindet. Als perfektes Fotomotiv dümpeln alte Portweinschiffe, gondelähnliche Boote mit denen einst Weinfässer transportiert wurden, in der Abendsonne.

Es ist Zeit zum Abendessen, verkündet der Lautsprecher. Ich setze meine Maske auf und desinfiziere brav meine Hände bevor ich den Speisesaal betrete. Auch die freundlichen Kellner tragen Masken. Vier Menüs stehen täglich zur Auswahl. Mittags und abends. Verhungern kann man hier nicht! Ganz im Gegenteil.

Porto und das Meer

Um 9 Uhr beginnt die Stadtrundfahrt mit zwei Bussen, die täglich gereinigt werden. Natürlich herrscht auch im Bus Maskenpflicht. Wir fahren über die Brücke in die historische Altstadt. Auf einem Felsen über dem Gassenlabyrinth thront neben dem gigantischen Bischofspalast die Kathedrale mit ihren zwei Türmen. Sie wurde im 12. Jahrhundert als Wehrkirche erbaut und behielt trotz Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert ihren romanischen Charakter. Der gotische Kreuzgang wurde damals mit Azulejos ausgeschmückt, den für Portugal typischen, mit vielerlei Szenen und Motiven bemalten Keramikfliesen, die man überall an Kirchen, Hausfassaden und öffentlichen Gebäuden findet. So auch am Hauptbahnhof, wo rund 20.000 blaue Azulejos an den Wänden Szenen aus der Geschichte des Landes erzählen.

Es gäbe noch so viel zu entdecken, aber die Zeit drängt. Ein kurzer Abstecher zu den Stränden am Atlantik um Meeresluft zu schnuppern macht Lust auf ein Bad. Der kalte Wind beim Aussteigen bremst jedoch das Verlangen. Die Rundfahrt endet in der Portweinkellerei Sandeman, bei einer Führung. Riesige Fässer flüssiges Gold lagern dort in den Kellern unter der Erde. Nach ein paar Kostproben habe ich schon ein hochprozentiges Mitbringsel gefunden.

Wir verlassen Porto und bewegen uns flussaufwärts. Nächster Hafen Entre-os-Rios am späten Nachmittag. Nach der Sicherheitsübung mit den Schwimmwesten ist Zeit um das spannende Ausflugsprogramm zu studieren. Bis 18 Uhr müssen wir die Teilnahme bekannt geben, damit die Ausflüge organisiert werden können. Natürlich habe ich alle gebucht… Der Ort Entre-os-Rios wirkt verschlafen. Ein uriger kleiner Supermarkt, eine Tankstelle, ein Kaffeehaus und ein Bistro, verfallene Häuser und ein paar Katzen. Es tut trotzdem gut die Füße zu vertreten und der Blick hinunter ist traumhaft.

Abfahrt nach Régua

Landschaft in Grüntönen, Olivenbäume, wenige Häuser, Einheimische, die im Duoro baden, dann die erste Schleuse: Carrapatelo, mit 35 Metern die höchste dieser Reise. Das Sonnendach am Oberdeck wird zusammengeklappt, unser Schiff fährt in die Schleuse und wird hochgehievt, jetzt heißt es Köpfe einziehen, denn da kommt eine niedere Brücke auf uns zu…
Dann ändert sich die Landschaft. Weitläufige Weinterrassen klettern die Hänge nach oben, ideales Klima für die süßen Trauben. Das Städtchen Régua ist unser Ankerplatz für eine Nacht und zwei Ausflüge. In Lamego besichtigen wir die bezaubernde Wallfahrtskirche, die auf einem Hügel erbaut, über die Stadt wacht. Besonders spektakulär schwingt sich die gekreuzte Treppe in schnurgerader Achse zur Stadt hinunter beziehungsweise hinauf. Sie hat offiziell 686 Stufen, ich habe sie nicht gezählt. Es war zu heiß...

Ausflug nach Spanien

Heute müssen wir früh los. Während wir Ausflügler nach Vila Real und zum Mateuspalast aufbrechen fährt unser Schiff weiter nach Pinhao, wo wir später wieder zusteigen. Malerisch spiegelt sich der Palast im Teich davor, in dem eine steinerne Nymphe aus dem Wasser taucht. Nicht nur der Palast selbst auch der liebevoll gepflegte Garten ist eine Augenweide. Zwei Nächte verbringen wir im Hafen von Barca d´Alva, einem winzigen Dorf bei der spanischen Grenze. Am nächsten Tag steht ein Tagesausflug in die spanische Universitätsstadt Salamanca auf dem Programm (siehe Beitrag Salamanca - die goldene Stadt). Nur die Hälfte unserer Gruppe nimmt teil. Immerhin dauert die Fahrt pro Strecke zwei Stunden. Trotz der Hitze ein gelungener Ausflug.

Rio lässt grüßen

Das bezaubernde portugiesische Dorf Castello Rodrigo, eines von 12 mittelalterlichen Dörfern, liegt auf einem Hügel. Hier, wo sonst viele Touristen ausschwärmen sind wir die einzigen. Trotzdem bekommen wir unzählige Kostproben angeboten. Endlich kann ich Bio-Olivenöl und Mandeln erwerben.

Die zweite Sehenswürdigkeit befindet sich auf dem 997 m hohen Berg Marofa: eine überdimensionale Christusfigur, die wie in Rio weit übers Land blickt. Unser Duoro Cruiser ist bereits gestartet. Es erwartet uns ein besonderes Erlebnis. Traditionelles Abendessen für alle in der Quinta Avessada, in der Nähe von Pinhao. Der Besitzer, Luis Barros, ist ein Original. Irgendwie erinnert er mich an Mister Bean. Auch seine Art vorzutragen ist originell. Ein wunderschöner Abend mit Sonnenuntergang inklusive. Wir sind wieder in Porto angekommen. Der Duoro hat endlich sein Ziel erreicht und kann sich nun im Atlantischen Ozean ausruhen.

www.nicko-cruises.de

Fotos; © E. Reif

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